Samstag, 31. Dezember 2011

2011 – Was fuer ein Jahr!

Nur noch wenige Stunden trennen uns von 2012 – fuer euch in Deutschland sind es 7 Stunden weniger als fuer uns hier in Kanada. Genug Zeit fuer uns, um noch einen letzten Blogeintrag fuer 2011 zu schreiben und genug Zeit fuer euch ihn zu lesen!
  
Wir haben uns seit unserem letzten Blogeintrag so rein geographisch nicht wirklich vom Fleck bewegt: Wir sind immer noch in der Provinz Saskatchewan, arbeiten im Redberry Lake Biosphaeren Reservat (BR) und wohnen bei Rachel in Hafford. Unser Hauptprojekt, mit dem wir hier im BR beauftragt wurden, war ja die Neugestaltung der Website http://www.redberrylake.ca. Die ist nun seit Mitte Dezember online und wir hoffen ihr habt alle schonmal einen Blick drauf geworfen (P.S.: Dank Google kann man genau nachvollziehen aus welcher Region/Stadt die Zugriffe kommen – wir fuehren Liste, Freunde!). Weitere Projekte stehen bereits an und wir werden fuer eines davon sogar bezahlt! 

Natuerlich haben wir nicht nur gearbeitet in den drei Monaten hier. Wir waren zum Beispiel mit Rachel auf Wildhuehnerjagd, was in Kanada so geht: Zunaechst schleiche man mit geladener Waffe etwa 1,5 Stunden durchs Gebuesch und versucht das gewuenschte Tier aufzustoebern. Wenn man dann keinen Erfolg hat – so wie wir – faehrt man noch ein bisschen mit dem Auto rum. Und da hat man dann meistens Glueck – so wie wir. Unser Huhn (Ruffed Grouse = Kragenhuhn) wurde dann an Ort und Stelle fachgerecht er- und zerlegt und zuhause gleich verspeist. Mehr Details zum Zerlegen sparen wir uns an dieser Stelle. Nur soviel: So haetten wir es nie angestellt, wenn uns einer gefragt haette.

Und da wir schon beim Jagen sind: Unseren Weihnachtsbaum haben wir ebenfalls in der Natur erlegt. Wenn man mit dem richtigen Kanadier unterwegs ist (Andrew), springt dabei nicht nur ein Baum raus (an Oma: es ist eine Weissfichte!), sondern auch ein Picknick mit Lagerfeuer und Bratwurst sowie die noetige Menge Vodka und Gluehwein – lustig wird der Ausflug dann von ganz alleine J 


Und dann stand ja auch bald Weihnachten vor der Tuer! Uns haben die deutschen Traditionen im Dezember, wie Nikolaustag und Weihnachtsmarkt, und vor allem die deutschen Koestlichkeiten echt gefehlt. Keine Lebkuchen, keine Dominosteine, kein Spekulatius, nix! “Adventsstollen” hatten wir am 22. Dezember in einem Supermarkt aufgestoebert und wurden prompt an der Kasse gefragt, was das sei und wie man es ausspricht.
 
Also haben wir unseren Gluehwein selbst gemacht und viele Plaetzchen gebacken, um in Weihnachtsstimmung zu kommen. Thomas’ Lieblingsplaetzchen (Spritzgebaeck) durften natuerlich auch dieses Jahr nicht fehlen. Aus Ermangelung an professionellem Geraet, kam dieses Jahr der Fleischwolf mit Hackfleischaufsatz zum Einsatz. Es war zwar etwas laestig aus den ganzen Teigwuersten wieder Kekse zu formen, aber es hat funktioniert.

Am 24. Dezember waren wir zwei alleine in Rachels Haus und wir hatten einen schoenen ruhigen Abend. Andrew hatte uns ein grosses Stueck glueckliches, kanadisches Reh vorbeigebracht, das wir zusammen mit lokalen Kartoffeln, Rotkohl und Rotwein verdrueckt haben. Zum Nachtisch gabs Amerikanischen Cheesecake, der ueberraschenderweise hauptsaechlich aus Fett und Zucker bestand J. Das schreit nach guten Vorsaetzen fuer das kommende Jahr (noch mehr essen und weniger bewegen).

Und da sind wir ja auch schon beim Thema: Heute ist also nun Silvester – 2011 geht zu Ende. Fuer uns natuerlich ein ganz besonderes Jahr! Wir haben so viel erlebt, dass es uns schon wie eine Ewigkeit vorkommt, als wir in Toronto gelandet sind und unser Abenteuer begann! Da muessen wir heute auf jeden Fall drauf anstossen!

Wir hoffen ihr habt ebenfalls alle einen wunderbaren Abend heute – lasst es ordentlich krachen!

Montag, 7. November 2011

Back In Saskatchewan

Hallo ihr Lieben,
bereits vier Wochen sind nun seit unserem Abstecher durch die Rocky Mountains vergangen. Wir sind wieder zurueck in Saskatchewan, genauer gesagt in Hafford - etwa eine Autostunde (manch Kanadier wuerde die Entfernung auch mit "drei Bier" angeben) nordwestlich von Saskatoon. In Hafford wohnen etwa 400 Menschen, so dass man mit unserem Eintreffen fast von einer Bevoelkerungsexplosion sprechen koennte. Neben einer Bar mit Hotel gibt es ein kleines Lebensmittelgeschaeft (der "oodstore", dessen F im Laufe der Jahre bis zur Unkenntlichkeit verblasst ist), drei Restaurants und ein Cafe.
Es ist alles sehr ueberschaulich und von der Main Street sind es nur wenige Gehminuten bis in die entlegensten Gassen. Alle Strassennamen sind vorbildlich zweisprachig: Englisch und ukrainisch. Ja, richtig gelesen: Jeder Zweite hier hat ukrainische Wurzeln und weiss diese auch zu pflegen.

Die Kueche ist reich an Kalorien: Fast jede Woche hat man Gelegenheit koestliche Perogies, Teigtaschen gefuellt mit einer Kartoffel-Kaese-Mischung, zu probieren und die koerpereigene Isolationsschicht fuer den herannahenden Winter zu verbessern. 

Wir wohnen waehrend unseres Aufenthaltes bei Rachel, die ebenfalls erst vor wenigen Monaten nach Hafford gezogen ist, um im Redberry Lake Biosphaerenreservat zu arbeiten. Der Verwaltungssitz bzw. unser Buero liegt direkt am Redberry Lake, der salzhaltig ist und sogar zu mancher Jahreszeit Pelikane beherbergt!

Wir arbeiten hier 5 Tage in der Woche und bringen die Website auf den neuesten Stand (in ein paar Wochen wird es dann hoffentlich so weit sein), pflegen Kontakte in Facebook, erstellen Praesentationen und vieles mehr. Wir sind also ziemlich gut beschaeftigt und werden wohl auch noch ein paar Wochen hier verbringen. In unserer Freizeit besuchen wir Freunde, fahren ins 65 km entfernte North Battleford zum Grosseinkauf, gehen Wandern und Fotografieren. 
Manches in Saskatchewan bleibt nach Gebrauch einfach schon mal liegen - die Natur kuemmert sich schon darum. Man begegnet alten Autos und verwitternden Scheunen an jeder Ecke. Doch selbst dies strahlt einen besonderen Charme aus.


Gestern gab es das erste Mal Schnee zu bewundern - am 5. November fuer uns Deutsche doch etwas ungewoehnlich. Hier gehoert es zur Normalitaet und jeder stellt sich bereits auf den kommenden Winter ein. Dieser kann verdammt kalt werden: Die historische Tiefsttemperatur liegt in dieser Region bei -46 Grad, von der gefuehlten Temperatur aufgrund des Windchills wollen wir erst gar nicht sprechen...). Noch geht man aber gerne vor die Tuer, um sich eine Schneeballschlacht zu liefern oder mit Rachels Hund "Carson" die besten Pinkelplaetze zu erkunden.


Und wenn wir nicht erfroren sind, dann lest ihr bald mehr von unserer Zeit im Redberry Lake Biosphaerenreservat!

Montag, 10. Oktober 2011

Rocky Mountains – Teil 1

Auf dem Weg von Saskatchewan in die Rocky Mountains legten wir noch einen kurzen Zwischenstopp im Dinosaur Provincial Park, in der Provinz Alberta, ein. Hier formten Gletscher, Schmelzwasser und Regen eine bizarre Landschaft aus dem weichen Sandstein. Seinen Namen verdankt der Park aber den versteinerten Skeletten von Dinosaurieren, die hier gefunden wurden – eine der groessten Fundstaetten weltweit!

Fahrintensiv ging es fuer uns von hier aus weiter nach Sueden und Westen in die Rocky Mountains. Die kanadischen Rockies sind praktisch vollstaendig in Nationalparks aufgeteilt: Die drei groessten sind Waterton Lakes, Banff und Jasper, Kleinere sind Yoho, Glacier und Mount Revelstoke National Park. In der Hochsaison sind vor allem die ersten drei mit asiatischen und deutschen Touristen ueberlaufen. Aber auch in der Nebensaison, die gleich nach Labour Day am 5. September beginnt, ist man nirgendwo sicher vor den Busladungen.

Unser erstes Ziel war der Waterton Lakes National Park. Das beruehmte Prince Edward Hotel thront ueber der kleinen Stadt vor einer grandiosen Bergkulisse. Die Lage des Hotels bestimmt natuerlich auch den Preis: Eine Uebernachtung kostet 300 bis 2000 Dollar. Einzigartig in Waterton ist der Uebergang von Prairie zu den dramatisch ansteigenden Bergen der Rockies.

Waehrend der Fahrt auf einem der Parkways hatten wir besonderes Glueck und konnten Mutter Schwarzbaer mit ihren zwei Kleinen beobachten, wie sie die Strasse vor uns ueberquerten. Ein wirklich faszinierendes Erlebnis! Im Park gibt es auch Grizzlys, denen man aber besser nicht begegnen will. Wanderer sind angehalten staendig laut zu sein, in Gruppen zu gehen und Pfefferspray mit sich zu tragen. Wir hatten bei der einen oder anderen Wanderung ein ungutes Gefuehl, aber letztendlich war niemand an uns interessiert. Heisst aber auch, dass wir noch keinen Grizzly gesehen haben!

Wenn man einmal in Waterton ist, empfiehlt sich auch ein kurzer Abstecher nach Montana in die USA in den benachbarten Glacier National Park. Hier konnten wir auf einer Wanderung am Logan Pass neben grandioser Landschaft auch eine Gruppe Bergziegen beobachten. Nach einer Nacht im Ausland, passierten wir am naechsten Morgen wieder die Grenze zu British Columbia in Kanada.

Entlang der Bergkette der Kootenay Mountains fuhren wir weiter nach Norden (einen kurzen Abstecher in den Yoho, Glacier und Mount Revelstoke National Park eingeschlossen), um uns in Radium Hot Springs eine Pause zu goennen. Im leicht radioaktiven und bis zu 40 Grad warmen Wasser fanden wir etwas Entspannung von der vielen Fahrerei.

Wie es weiter ging erfahrt ihr im zweiten Teil…

Rocky Mountains – Teil 2

So, wer huebsch aufgepasst hat, weiss, dass jetzt nur noch unsere Geschichten aus Banff und Jasper fehlen! Also, los gehts:

Generell kann man in beiden Parks wandern, Kanufahren, fiese Souvenirs kaufen und in teuren Hotels uebernachten.  Wir hatten uns fuer Wandern entschieden. In Banff laedt die Bergwelt rund um den Lake Louise, dessen Wasser maximal plus 4 Grad warm wird, zu atem(be)raubenden Klettertouren ein. Und wir hatten die richtige Wahl getroffen, denn am Ende unserer Tour wartete ein Teehaus und ein Gletscher auf uns. Der servierte Tee wurde allerdings – dank Aussentemperaturen von 2 Grad – in der kalten kleinen Tasse sofort auf angenehme 25 Grad Trinktemperatur heruntergekuehlt.  Dafuer gab es aber warmen Apple Pie dazu.
Zurueck am Parkplatz fuehrte uns der Icefield Parkway – die Verbindungsstrasse zwischen Banff und Jasper – von einem Aussichtspunkt zum naechsten. Meistens musste man sich den ultimativen Blick aber erst verdienen und eine Anhoehe hinaufasten. Dann konnte man grandiose Bergseen, wie den Peyto Lake, bewundern– um danach den knieschonenden Weg zurueck zum Auto anzutreten ;-)

Im Jasper National Park wartete ein weiteres Highlight auf uns, das erwandert werden wollte: Der Angel Gletscher am Mount Edith Cavell – und der erste Schnee! Fuer uns ein Zeichen, dass unsere Reise- und Campingsaison nun auch langsam ein Ende findet. Deshalb goennten wir uns fuer die naechste Nacht auch einen Bungalow mit Kamin und schauten mit einem Glas Wein in der Hand dem Regen von unseren gemuetlichen Sesseln aus zu.
  Der letzte Stop in den Rockies fuehrte uns erneut zu mit heissem Quellwasser gefuellten Pools (Miette Hot Springs), in denen wir unserem Kreislauf ordentlich einheizten. Wassertrinken und immer mal dem kaelteren Pool einen Besuch abstatten ist Pflicht, sonst haut es einen echt aus den Socken.

Unsere letzte Nacht im Auto verbrachten wir dann auf einem verlassenen Campingplatz auf halbem Weg nach Edmonton, der Hauptstadt Albertas. Wie ihr unschwer erkennen koennt, ist dies der Blick in unser Wohn-, Ess- und Schalfzimmer bei geoeffneter Heckklappe.  
Nach Besichtigung von Edmonton und einem kurzen Stop im Elk Island National Park, wo wir Bisons und einen Kojoten sehen konnten, sind wir nun wieder zurueck in der Provinz Sasketchewan im hiesigen Redberry Lake Biosphaerenreservat. Hier werden wir nun einige Wochen bleiben… dazu aber spaeter mehr!

Samstag, 24. September 2011

Land of Living Skies

Saskatchewan unterscheidet sich nicht wesentlich vom benachbarten Manitoba. Ueber 50 % des kanadischen Weizens wird in den beiden Provinzen geerntet. Auch beim Durchqueren von Saskatchewan kann es einem deshalb leicht vorkommen, als ob man durch ein einziges grosses Getreidefeld faehrt. Darueber erstreckt sich ein riesieger blauer Himmel, dessen weisse Wolken einen wundervollen Kontrast ergeben.

Leider gibt es in Saskatchewan nur wenige Gebiete die nicht landwirtschaftlich genutzt werden. Im Grasslands-Nationalpark im Suedwesten kann man hingegen noch die urspruengliche Prairie-Landschaft bestaunen, wie sie sich den ersten Siedlern zeigte. Zahlreiche Voegel finden hier Nistplaetze und Heuschrecken veranstalten ein Konzert.

Der oestliche Teil des Parks ist dabei karger und von Taelern durchzogen. U.a. Koyoten und Antilopen fuehlen sich hier heimisch. Aber auch zahlreiche Schlangen wie die Bullsnake (eine Wuergeschlange), die Susi auf einer Wanderung fast zum Verhaengnis geworden waere ;-).

Im Westteil des Parks locken vor allem putzige Prairiehunde, die in fussbaldfeldgrossen Arealen ausgekluegelte Tunnelsysteme angelegt haben. Die sozialen Tiere verfuegen ueber ein ausgepraegtes Kommunikationssystem und sobald man sich ihnen naehert warnen sie ihre Artgenossen und verschwinden unter Tage.  

Bevor wir nun das Redberry Lake Biosphaerenreservat in Saskatchewan besuchen, nutzen wir noch das spaetsommerliche Wetter (das Thermometer klettert gerade auf bis zu 30 Grad!) und machen einen kleinen (2.500 km langen) Abstecher nach Alberta und in die Rocky-Mountains.

Fortsetzung folgt…

Freitag, 23. September 2011

Ganz schoen flach...

Es ist vollbracht! Ontario liegt nun hinter uns. Voller Neugierde ging es weiter auf dem Trans-Canada-Highway (TCH) nach Westen. Vom Hoerensagen wussten wir, dass der Uebergang von Rocks and Trees and Lakes zur flachen Prairie sehr schnell geschehen sollte. Und tatsaechlich dauerte es nur wenige Kilometer, bis die Strasse flacher und die Baeume weniger wurden.
Wir kamen gerade richtig, um den Bauern bei der Heuernte zuzusehen und die riesiegen Staubwolken ueber den Feldern zu beobachten.

Auf den kleineren Highways in Manitoba kann es durchaus passieren, dass man ploetzlich vor einem unbeschrankten Bahnuebergang steht und ein endlos langer Zug durch Pfeifgeraeusche auf sich aufmerksam macht. Motor abstellen lohnt sich…


Manitoba hat in Bezug auf Tourismus weniger zu bieten als andere kanadische Provinzen. Eine Dame an der Tourist-Information wies uns gar darauf hin, dass wir gut und gerne in 4-5 Stunden die Provinz von Ost nach West durchqueren koennten. Doch das wollten wir natuerlich nicht.


Uns zog es etwas noerdlich des TCH in den Riding Mountain National Park, wo uns eine grosse Herde Bisons versprochen wurde. Und tatsaechlich: Bei einer Art Safari konnten wir die nicht selten bis zu 1000 kg schweren Tiere aus naechster Naehe beobachten. Ein unvergessliches Erlebnis.

Tatsaechlich sollte Manitoba die Provinz sein, in
 der wir uns bislang am kuerzesten aufhielten. Bereits am zweiten Tag fuhren wir weiter nach Saskatchewan.

Sonntag, 18. September 2011

Rocks and Trees and a Lake

Dieser Blogeintrag wird geographisch betrachtet ein grosses Stueck Kanada umfassen. Man nehme also am Besten einen Atlas zur Hand... Richtung Westen schliesst sich an die Provinz New Brunswick die Provinz Quebec mit der Gaspé Halbinsel an. Immer entlang der Uferstrasse umrundeten wir die Gaspésie innerhalb von fuenf Tagen und hatten dank gutem Wetter immer einen herrlichen Blick auf die bizarre Kueste. In Percé - fuer uns das Ruedesheim der Gaspésie - lockt der knapp 500 Meter lange Monolith Rocher Percé die Touristen an.

Eine Wanderung durfte natuerlich auch nicht fehlen. Und so erklommen wir den 1.268 Meter hohen Berg Jaques Quartier. Die Broschuere des dortigen Nationalparks versprach, dass es auf dem Gipfel, der mehr ein Plateau als eine Bergspitze ist, Karibus zu sehen gibt.

Und tatsaechlich! In der Ferne grasten fuenf der Tiere und direkt vor uns war ein einzelnes, junges Karibu auf der Suche nach leckeren Moosen. Dafuer hatte sich der steile und stuermische Aufstieg gelohnt!

Nach der Gaspésie fuhren wir weiter durch Quebec nach Ontario. Diese Strecke kannten wir ja schon von unserem Weg nach Osten. Also, ab auf den Trans-Canada-Highway und fahren, fahren, fahren. Bis wir zurueck in Parry Sound - unserer ersten Station im April - waren. Dort besuchten wir unsere Freunde, die uns auch in Neufundland ihr kleines Ferienhaeuschen zur Verfuegung gestellt hatten und verbrachten einen netten Abend zusammen.

Am naechsten Morgen ging unsere Reise nun weiter in uns noch unbekannte Gefilde: Nach Norden zum Lake Superior (in deutschen Atlanten Oberer See genannt). Auf unserem Weg dorthin begegnete uns auch der fortgeschrittene Herbst und wir verbrachten die erste Nacht bei Minusgraden in unserem Auto. Der Vorteil ist, dass wir uns keine Sorgen mehr um moeglicherweise ueber Nacht warm werdende Lebensmittel machen muessen. Der Nachteil: Die Nutella haelt sich verbissen am Glas fest und will nicht streichzart werden!

Der schoenste Teil des Lake Superiors - er ist der groesste der fuenf Grossen Seen - befindet sich am Nordufer bis Thunder Bay. Grandiose Landschaften bestehend aus schroffen Felsen, dem tuerkisfarbenen klaren Wasser, vielen Baeumen und wenig Menschen haben fuer uns diesen See zu einem der schoensten Plaetze Kanadas gemacht. Unsere letzte Station gestern war der Ouimet Canyon, bevor wir heute den Lake Superior verlassen und weiter zur naechsten Provinz Manitoba fahren.

Dear Anne and Frank, thank you again for this very nice evening at your place. We really enjoyed talking to you and exchanging travelling experiences. We hope you will make it one day to Germany to have German Bratwurst, Sauerkraut and local beer togehter ;-)
After two nights below zero the last one was about 8 degrees celsius - we were swetting a bit in our sleeping bags!

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Dienstag, 6. September 2011

Don’t drive through!

Viele fahren auf dem Weg von Ost nach West oder umgekehrt einfach durch New Brunswick durch. Um das Image des Bundesstaates zu verbessern wurde ein Lied komponiert, welches zum Verweilen einladen soll (http://www.youtube.com/watch?v=E6zoXjHNCi0). Wir besuchten einen Teil von New Brunswick bevor wir nach P.E.I. fuhren und nun den letzten Teil. Unser Fazit: Es gibt etwas zu sehen – wenn auch nicht viel. 
 
Doch noch mal von vorne: Den Hurricane Irene, der zuletzt zu einem Tropensturm abgewertet wurde, erlebten wir sicher in einem Motel in der Naehe der Provinzhauptstadt Fredericton. Nach Wind und Regen kam zum Glueck schnell wieder die Sonne hervor und wir fuhren weiter nach St. John. Dort laesst sich bei den Reversing Falls ein besonderes Naturschauspiel beobachten. Die Flut der Bay of Fundy ist hier so stark, dass sie einen Fluss dazu zwingt seine Fliessrichtung zu aendern. Besonders beliebt sind die Stromschnellen bei sogenannten Whitewater-Kayakern, die sich mit winzigen Kayaks in die Fluten stuerzen.
Highlights in New Brunswick sind definitiv die Gezeiten. Bei Flut steigt hier das Wasser bis zu 16 m an – Weltrekord! Wanderungen auf dem Meeresgrund sollten also bestens geplant sein, denn das Wasser kommt schnell und man kann leicht in Gefahr geraten. Besonders gut kann man den Effekt der Gezeiten bei den Hopewell Rocks beobachten. Hier hat das Wasser bizarre Formen aus dem weichen Sandstein geschliffen. Taeglich stroemen hunderte von Touristen an diesen Ort. Wir besuchten die Felsen frueh morgens und genossen den Sonnenaufgang am Strand ganz fuer uns alleine. Ein unvergessliches Erlebnis.
Wir sind jetzt bereits auf dem Weg nach Quebec und verlassen damit die maritimen Staaten. Auf unserem Weg hat unsere kleine Kanadaflagge an der Autoantenne leider auch ein paar Federn lassen muessen: Der Atlantik ist weg (die beiden roten Streifen in der Flagge symbolisieren Pazifik und Atlantik)!

Montag, 5. September 2011

Kanada's Gruene Provinz

Hallo nach Deutschland, heute - am kanadischen Tag der Arbeit (Labour Day) - haben wir uns wieder in einem Mac Donalds eingenistet, um euch mit neuem Stoff zu versorgen. Die letzten fuenf Tage haben wir die kleinste Provinz Kanadas erkundet: Prince Edward Island (P.E.I.).

Ueber die 14 km lange Confederation Bridge (fuer Geschichtsinteressierte: In Charlottetown, der Hauptstadt von P.E.I., wurden 1864 die Bedingungen fuer den spaeteren kanadischen Bundesstaat geschaffen) sind wir von New Brunswick aus auf die Insel gekommen und direkt an die nordwestliche Spitze weiter gefahren.
Dort gab es rote Sandsteinklippen zu sehen - besonders schoen natuerlich, wenn die Sonne sie anstrahlt. Rote Straende laden ebenfalls ein, die Fuesse in den 17 Grad kalten St. Lawrence Strom zu halten und die Septembersonne zu geniessen. 

Weiter ging unsere Reise dann zur Kulisse der Romanfigur "Anne of Green Gables", die vor allem asiatische Touristen besonders angezogen hat. (Frage: Wer von euch kennt die deutsche Uebersetzung der Geschichte von "Anne auf Green Gables"? Wir kannten sie nicht...).

Weiter oestlich dann wechselte die Landschaft von roten Sandsteinklippen zu weissen Duenen mit feinstem Sand, der natuerlich zum Meer hin als Sandstrand bezeichnet wird ;-)
Heute werden wir wieder ueber die Confederation Bridge zurueck nach New Brunswick fahren und uns entlang der Kueste Richtung Gaspe Halbinsel - und damit Quebec - vorarbeiten. Da gibt es auch noch eine Menge zu sehen, haben wir gelesen! Wir werden euch auf dem Laufenden halten.



P.S.: Maedels, die Susi war auch fuer 19 Dollar (16 Euro) beim Friseur und hat jetzt einen Pony. Anfangs etwas gewoehnungsbeduerftig, werden wir nun langsam Freunde.

Donnerstag, 25. August 2011

Into the Wild

Hallo ihr Lieben, von Cape Breton ging unsere Reise immer weiter entlang der Kueste in den Sueden Nova Scotias. Unser Ziel: Der Kejimkujik Nationalpark - von allen nur 'Keji' (sprich Ketschi) genannt. Hier verbringen wir ein paar Tage in einer Forschungsanstalt, die eng mit dem Nationalpark zusammenarbeitet.
Unser erstes Projekt drehte sich um die in Nova Scotia gefaehrdete Eastern Ribbon Snake. Um mehr ueber das Verhalten der Natter zu erfahren, begaben wir uns mit anderen Freiwilligen und Hund 'Boomer' auf die Suche.
Die Ribbon Snake ist klein und deshalb nur schwer zu entdecken, sodass Spuerhunde, wie Boomer, mit einer guten Nase zum Einsatz kommen - mit Erfolg! An einem anderen Tag versuchten wir vom Kanu aus Loons (eine bedrohte Wasservogelart) zu zaehlen. Leider wurde daraus nichts - dafuer gab es einen Schwarzbaeren zu sehen, der sich direkt am Ufer auf Beerensuche befand.

Natuerlich arbeiten wir auch hier nicht 42h und es bleibt Zeit fuer kleine Entdeckungstouren. Eine davon fuehrte uns zum 'Balancing Rock' am Digby Neck in der Bay of Fundy. Nach einer kurzen Wanderung auf einem Pfad, den wir stellenweise mit einem Fluss teilten, konnten wir den freistehenden Felsen bestaunen und pusten wie wir wollten: Er bewegte sich kein Stueck :-).


Eine ganz andere kanadische Erfahrung wollten wir uns natuerlich auch nicht entgehen lassen: Backcountry Camping. Heisst, man belaedt (s)ein Kanu mit Zelt, Schlafsaecken, Iso-Matten und Verpflegung und paddelt ins Hinterland des Keji-Parks zu SEINER EIGENEN Insel. Wir mussten dazu den Kejimkujik-See durchqueren und hatten teilweise mit echt stuermischer See zu kaempfen. Nach einigen missglueckten Abkuerzungen erreichten wir nach 2,5 Stunden unser Ziel. Die Insel bot einen Platz fuers Zelt, eine Feuerstelle (es gibt Bratwurst!), Feuerholz und ein Outhouse (Plumsklo), aber keinen Platz fuer Baeren, Koyoten oder Elche. Denn man kann sie zu Fuss in 5 Minuten umrunden oder in 10 Minuten umschwimmen. 

Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten lud der See zum Bade ein. Badesachen? Brauchten wir dazu nicht...der naechste Wildniscampingplatz war 2 km entfernt und wir waren voellig ungestoert! Zugegeben war die Nacht dann doch etwas unruhig, denn so weit weg von allem lauscht man jedem Geraeusch. Dafuer wurden wir mit einem tollen Sternenhimmel belohnt und Thomas ging frueh am Morgen erneut auf eine Paddeltour und genoss den ruhigen See. Nach dem Fruehstueck machten wir uns zusammen mit unserem Muskelkater wieder auf den Weg zurueck. Dieses Mal paddelten wir den direkten Weg und waren nach 1,5 Stunden wieder an Land.  Wer auch immer eine Reise nach Kanada plant - einen Abstecher in die Wildnis ist Pflicht! Und wer zur rechten Zeit kommt, kann auch die wilden Heidelbeeren pfluecken.

Montag, 15. August 2011

Kanadische Gastfreundschaft

Auf unserer Wanderung zum Gros Morne trafen wir Anne und Frank, ein Ehepaar aus Ontario, welches uns spontan in ihr Ferienhaus nach Rose Blanche einlud. Das Doerfchen ist ein typisch neufundlaendischer Fischerort mit nur wenigen hundert Einwohnern. Leider mussten Frank und Anne vorzeitig abreisen - doch das aenderte nichts an der Einladung.

So genossen wir nach vielen Tagen auf Achse zwei volle Tage allein in dem kleinen Haus in Rose Blanche. Weil wir ja die ganze Zeit unterwegs waren, wollten wir eigentlich nur faul auf dem Sofa sitzen, moeglichst viele Kalorien zu uns nehmen (jippi, wir haben einen Ofen!) und wenige Kalorien verbrennen. Dies ist uns, trotz herrlichem Sonnenschein, auch ziemlich gut gelungen und wir haben nur kurz unsere vier richtigen Waende mit Dach verlassen. Nach einem ausgedehnten Pancake-Fruehstueck gab es zu Mittag dann auch schon Fisch mit frischem Gemuese. Abends dann die perfekte Couchpotatoe- Kombination aus Popcorn und DVD (TV-Signal gab es nicht). Kalorien haben wir also definitiv nicht verloren...

Und dann der Hoehepunkt des Aufenthaltes: Thomas beschloss sich das erste Mal nach mehr als vier Monaten zu rasieren. Vielleicht aus Langeweile, vielleicht aber auch weil der Bart langsam wirklich stoerte. Das Unterfangen nahm mindestens eine Stunde in Anspruch und begann mit der Kuechenschere und endete mit dem Nassrasierer und Lotion fuer die irritierte Gesichtshaut des Mannes. Auf dem Weg zum Kahlschnitt gab es einige lustige Zwischenschritte.

Leider ging die Zeit viel zu schnell vorbei und wir mussten mit der Faehre von Port-aux-Basques weiter nach North Sydney in Neuschottland (Nova Scotia) fahren. Nach etwa 5 h erreichten wir mit zum Teil ordentlichem Seegang - der zu Irritationen in Susi's Magen fuehrte - das Festland.

In Nova Scotia ging unsere Entdeckungstour dann am naechsten Tag gleich weiter. Auf dem Cabot Trail, einer Strasse die rund um die Halbinsel Cape Breton ganz im Norden der Provinz fuehrt, genossen wir reichlich Sonnenschein, ausgedehnte Wanderungen und eine Tour im Doppel-Kayak. Wir koennen die Halbinsel mit dem Cape Breton Highlands Nationalpark aufgrund der herrlichen Ausblicke auf Land, Berge und Meer auf jeden Fall weiterempfehlen - vielleicht auch weil wir hier seit langem mal wieder einen Elch gesehen haben.